Die Wellpappe – der Star der Transportverpackungen

Diese Woche haben wir eine Schülerpraktikantin in unserem Team, Sophia Sturmfeder. Wir freuen uns über die Unterstützung und hoffen, sie kann einige tolle Eindrücke und auch etwas Wissen aus der Welt der Verpackung mitnehmen. So hat sich Sophia mit einem der wichtigsten Produkte in der Branche beschäftigt und viele wissenswertes Zusammengetragen:

Die Wellpappe

Abgrenzung und Einordnung

In der Welt der Verpackung dreht sich alles um Packmittel, also Erzeugnisse, welche zur Verpackung anderer Produkte verwendet werden. Packmittel können z.B. Papier, Karton, Kunststoff, Holz, Glas, Metalle, Pflanzenfasern, Textilien oder verschiedene Verbindungen derer sein. (Quelle: Wikidepia)

Eines der am häufigsten verwendeten Verpackungsmaterialien der Welt ist die Wellpappe. Sie besteht aus einer Welle und mindestens einer glatten Papierbahn, dem sogenannten Deckpapier. Letzteres ist quasi die Haut (z.B. des Kartons) und muss somit vielfältige Aufgaben erfüllen: Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen Beschädigungen, die äußeren Einwirkungen auffangen und ableiten, Stapelfähigkeit erhöhen und gut bedruckbar sein.

Wellpappe Diagramme

 

Aber schauen wir uns alles nach einander an:

Arten der Wellpappe

Es gibt drei Arten von Wellpappe: die einwellige, zweiwellige und die dreiwellige Wellpappe. Weiterhin gib es die einseitige Wellpappe, auch Rollenwellpappe genannt. Sie dient dem Schutz von Oberflächen oder zum Füllen von Zwischenräumen.

Ist die Welle auf beiden Seiten mit einer glatten Papierbahn verklebt, so spricht man von der einwelligen Wellpappe. Je mehr wellschichten miteinander verklebt sind, umso mehr kann die Wellpappe an Gewicht tragen.

Wellpappe Arten

Zwei Werte geben Auskunft über die Größe einer Welle und damit Ihrer Stabilität und Stoßfestigkeit: die Wellenteilung und die Wellenhöhe. Als Wellenteilung bezeichnet man den waagrechten Abstand zwischen zwei Wellenbergen. Mit Wellenhöhe ist das senkrechte Maß von Scheitelpunkt zu Scheitelpunkt der Welle gemeint.

Aufbau Wellpappe
Foto: shutterstock

Im Bereich der Transportverpackungen kommen hauptsächlich vier Wellenarten bzw. entsprechende Kombinationen daraus zum Einsatz. Sie alle sind nach DIN 55 468 normiert.

 

Art/Bezeichnung t-Wert (Wellenteilung) h-Wert (Wellenhöhe) Eigenschaften
Grobwelle A-Welle 8.0-9.5 4.0-4.8 sehr gute Federwirkung
Mittelwelle C-Welle 6.5-7.9 3.2-3.9 Vielseitig einsetzbar
Feinwelle B-Welle 5.5-6.5 2.2-3.0 Für unempfindliches Packgut
Feinstwelle E-Welle/ Mirkowelle 3.0-3.5 1.0-1.8 Gut bedruckbar, daher v.a. für Verkaufsverpackungen

 

Wellpapp-Verpackungen und ihre Eigenschaften

Wellpapp-Verpackungen haben viele Vorteile gegenüber anderen Verpackungsmaterialien. Durch die Welle haben sie eine natürliche Polsterfunktion und sie lassen sich individuell an das Produkt anpassen – ohne besonders großen Aufwand. Sie sind besonders vielseitig, da viele Größen und Qualitäten zur Verfügung stehen. Ebenso ist die Wellpappe sehr umweltfreundlich da sie mit Rohstoffen produziert wird, die bis zu 80% aus Altpapier bestehen. Eine letzte wichtige Eigenschaft ist die Tatsache, dass die Wellpappe sehr einfach bedruckt werden kann.

 

Von dem Material zur Produktion

Halten wir fest: Wellpappe ist gewelltes Papier zwischen zwei Papierbahnen, den sogenannten Deckenpapieren. Diese „Sandwich-Technik“ ist der Grund für die hohe Stabilität und die stoßdämpfende Schutzwirkung von Wellpappe. Es gibt verschiede Materialien, welche dafür verwendet werden und letztendlich die Stabilität beeinflussen. Für Deckenpapiere kommen Kraftliner, Testliner und Schrenz in Frage. Für die Welle eignen sich Halbzellstoffpapiere und Wellenstoff (verbesserte Schrenzpapiere).

Ob Bogen- oder Wellenpapier – die Faserstoffe werden  in Wasser aufgeschwemmt und mit Leim, Füll- und Farbstoffen aufgefüllt. Dieses Gemisch kommt auf ein Sieb, wo die Bahn gepresst und getrocknet wird. Was sich so simpel anhört, erfordert natürlich eine Menge an Know-how, das Wissen um die genauen Mengen und den richtigen Umgang mit der hochmodernen Technik.

Herstellung Wellpappe

Produziert wird in Wellpappenanlagen, kurz WPA genannt. Insgesamt gibt es fünf Punkte die nacheinander durchlaufen werden.

Die sehen folgendermaßen aus:

  1. Das Wellenpappen-Rohpapier läuft auf breiten Rollen in die Maschine. Es wird erwärmt und befeuchtet, um elastisch genug zu sein für die Verformung zur Welle.
  2. Unter Einwirkung von Druck und Hitze wird das Papier zwischen zwei Riffelwalzen (Zahnräder) durchgeführt. Die Walzen haben eine grobe, mittlere und feine Riffelung für unterschiedlich hohe oder breite Wellenprofile.
  3. Damit eine Verbindung mit der Deckenbahn geschieht wird direkt nach der Umformung zur Welle Leim auf die Wellenberge aufgetragen.
  4. Die Anpresswalze presst Deckenbahn und Wellenpapier zusammen, dadurch wird der erhitzte leim fest.
  5. Bei der Verklebung werden alle Wellenkronen fest mit der glatten Bahn verklebt. Dafür werden Klebstoffe auf Stärkebasis eingesetzt. Wesentliche Rohstoffe dafür sind: Mais-, Weizen- oder Kartoffelstärke.
  6. Auf die einseitige Deckenbahn wird noch eine Deckenbahn darauf geklebt.
    Für zwei- und mehrwellige Wellpappe gilt das gleiche Verfahren: Zwei einseitige Wellpappenbahnen werden zusammengeführt, miteinander verklebt und mit einer dritten Deckenbahn verbunden.

 

Produktionsaufgaben vor dem Verlassen der Maschine

Bevor die Wellpappe zur Weiterverarbeitung die Maschine verlässt wird sie mit Längs-und Querschneidern noch auf das endgültige Maß zugeschnitten und gerillt. Aus diesen Zuschnitten entstehen Schachteln, Stanzverpackungen, Displays oder Einsätze für Konstruktivverpackungen in unterschiedlichen Formen und Größen. Der nächste Schritt ist die Inline-Maschine auf der aus dem Bogen die fertigen Schachteln hergestellt werden. (Weitere Infos: Wellpappe-Wissen.de) Mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Stück pro Stunde führt sie zahlreiche (Einzel-)Arbeitsgänge aus. Dazu gehören:

  • Beschichten
  • Drucken
  • Schlitzen
  • Rillen
  • Stanzen
  • Verschließen
  • Zählen
  • Bündeln
  • Abstapeln

Der seitliche Verschluss, Fabrikkante genannt, wird immer mit der Maschine durchgeführt. Es gibt drei mögliche Arten: Verleimen, Überkleben mit Verschlussstreifen oder auch durch Heften mit Drahtklammern.

Eventuelle Veredelungstechniken sind der letzte Schritt der Produktionsreihe. Dem Material können hier zusätzliche Eigenschaften verliehen werden. Diese sind z.B. wasserabweisend, fettabweisend, ölfest, schwer entflammbar, fäulnisverhindernd, rutsch- und scheuerfest.

 

Qualitäts-Kontrollen und Sicherheit

Um eine gleich bleibend hohe Qualität sowohl der Wellpappe als auch der fertigen Schachteln zu gewährleisten  sind Qualitätsprüfungen unerlässlich. Dazu hat der Verband der Wellpappenindustrie e.V. (VDW) einheitliche Standards definiert. Sie bilden die Grundlage für die Prüfungen nach DIN 55468. Wird bei Kontrollbesuchen in WPAs festgestellt, dass die gestempelte Verpackung nicht den angegebenen Qualitätsanforderungen entspricht, drohen Sanktionen, Auflagen oder Geldbußen.

 

Sie sehen, es gibt viel zu Berichten über den Star der Transportverpackungen. Aber in anderen Bereichen gibt es Materialien, welche die Wellpappe auf dem speziellen Gebiet schlagen: z.B. bei den Versandtaschen hat die Vollpappe die Nase vorne und auch Kunststoff ist besser als sein Ruf – aber darüber berichten wir einander mal.

Haben Sie weitere Fragen zur Wellpappe? Schreiben Sie uns, wir helfen gerne!

 

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